NACH BACH oder Fügsame Fugen?

NACH BACH oder Fügsame Fugen?

Es war mitten in der der Corona-Hochphase, als der Schweizer Romancier Alain Claude Sulzer mich kontaktierte: Das Waldhaus-Hotel in Sils Maria hatte ihn eingeladen, im Juni 2021 einen Abend mit Lesung und Musik zu gestalten. Und so wollte er wissen, ob ich eine Idee für einen gemeinsamen Auftritt hätte.

Das Repertoire, das ich in diesem Moment vorschlagen konnte, war dasjenige, das ich kurz zuvor für die CD Tracing Bach eingespielt hatte. Also: Fugen aus 250 Jahren Musikgeschichte jeweils mit einem Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier von J. S. Bach gepaart. Dabei stammen die Fugen dieser Auswahl oft von eher unbekannten Komponisten – zum Teil mit einer spektakulären Vita. Darunter: Louis Ferdinand Prinz von Preußen, Charles Valentin Alkan, Napoleon Alkan, Lyonel Feininger….

Diese bunte Vorlage regte die ohnehin sprudelnde Phantasie von Alain Claude Sulzer an, und so schrieb er eine Reihe von Texten, die diesem speziellen biographisch-musikalischen Setting einen literarischen Spiegel vorhält. („Der preussische Apoll“, „Der missratene Sohn“, „Der heilige Napoleon“ etc).

Lesung und Musik wechseln sich ab und führen durch eine europäische Kulturlandschaft, die sich ganz frei durch zeitliche und räumliche Dimensionen entfaltet.

Gerne bieten wir dieses Programm (ca. 45 Min. Musik + ca. 30 Min. Lesung) als „Einakter“ an, also ohne Pause. Sollte es ein übliches (Vor-Corona) Konzert-Format werden, könnten wir auch eine zweiteilige Version mit einer Pause dazwischen anbieten.

Das Konzert mit Lesung fand in einem privaten Rahmen in Basel am 21.8.2021.

 

Hier einige Fotos aus dem Event

Fotos: Robert Schär

Tracing Bach

Tracing Bach

Lyonel Feininger: Der Dom in Halle (1931). 

Fügsame Fugen?

Die freie Zeit des Corona-Jahrs brachte mich zu Fugen, die Jahrzehnte nach Bach entstanden sind und die als „ledige“ konzipiert wurden: also zu solchen, die nicht schon mit einem Präludium verkoppelt sind. Die „schönsten“ habe ich zunächst in einer Reihe gespielt, dabei entstand aber kein Gebilde im ästhetischen Sinne: Die Fugen schalteten sich gleichsam gegenseitig aus, wie wenn sie nach einem Puffer, nach einer Trennung durch „fremden“ Stoff verlangen würden.

Die Suche nach geeigneten Prä- oder Postludien als gehobene „Zwischenmusik“ erwies sich jedoch anfangs als unbefriedigend: So sehr sehnte ich mich nach den Präludien aus Bachs Wohltemperierten Klavier, das bekanntlich für jede Tonart zwei Kompositionen liefert.Jeweils eines davon, das mir spontan am besten zu passen schien, stellte ich also der entsprechenden Fuge zur Seite, und sah (und hörte), dass es gut ward: Das BachPräludium und die Fuge, die eventuell 70 oder 100 Jahre späterzur Welt gekommen ist, ergänzten sich schön und stimmig, beleuchteten sich gegenseitig neu und erfrischend. Es war eine verblüffende Erfahrung!

Als ich Reinhard Febel von dieser Repertoire-Idee erzählte, bot er mir sofort an, eine neue Fuge zu komponieren, um diese Auswahl zu erweitern und sie zu aktualisieren. Da seine Tempus Fugit in d-Mollsteht und ich schon beide d-Moll Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier eingesetzt hatte, kam mir die charmante Gavotte in dieser Tonart aus der 6. Englischen Suite zur Hilfe.

Es vergingen mehrere Monate des Erarbeitens, bis mir allmählich aufging, dass sich alle diese Fugen tatsächlich motivisch/thematisch auf das dazu gepaarte Präludium beziehen. Unweigerlich stellt sich nun die Frage, ob der jeweilige Komponist diese Tatsache bewusst gesteuert hatte, ob er also quasi eine „Alternative“ für die Bachsche Lösung anbieten wollte, oder ob er in dieser Hinsicht eher unbewusst dem Kompositionsprozess gefolgt war.

Bei manchen Komponisten beantwortet sich diese Frage fast von selbst: Wilhelm Friedemann Bach kannte natürlich die Werke seines Papas, und auch bei Lyonel Feininger, der seine Fuge in der raren Tonart es-Moll komponierte, dürfte es wohl ebenso wenig Zufall sein!

Yaara Tal

Dieses Album ist am 20.08.2021 erschienen.

Napoléon Alkan | Reinhard Febel
Beethoven’s World

Beethoven’s World

Jan Ladislaus Dussek, ein Gemälde von Henri-Pierre Danloux (1795). 

Ein Repertoire am Rande der Wahrnehmung

Es ist immer wieder spannend zu erfahren – gleichzeitig aber schwer vorstellbar, dass in der Schnittstelle von Klassik und Romantik so viele Komponisten am Produzieren waren, die zu Lebzeiten grosse Erfolge genossen und über den gesamten Kontinent Anerkennung und Reputation erfahren haben – während ihre Namen uns heute kaum noch etwas sagen. Wenn man beispielsweise bedenkt, dass die Bedeutung von Anton Eberl (1765 – 1807) in einer zeitgenössischen Besprechung der von Beethoven gleichgestellt wurde oder er teilweise sogar “besser” weg kam, wird man doch neugierig – und freut sich, eine Gelegenheit zu haben, etwas von diesem wenig bekannten Meister kennen zu lernen.

Zu diesem Kontext – also, Werke von Komponisten, die im Schatten Beethovens (vor allem aus unserer heutigen Warte betrachtet) gewirkt haben, zählt auch das Werk von Jan Ladislaus Dussek (1760 – 1812). Von Eberl und Dussek liegen Konzerte für zwei Klavieren und Orchester vor, die beiden nun mit dem Duo, dem HR Symphonie Orchester unter der Leitung von Reinhard Goebel für Sony eingespielt worden sind. Beide Kompositionen haben einen individuellen Charakter, sie sind pianistisch phantasievoll, entwickeln einen unwiderstehlichen Klangzauber, und man spürt regelrecht, dass beide Tonsetzer die rasante Verwandlung des Klaviers in der damaligen Zeit mit Begeisterung und Inspiration verfolgt haben.

Auf der CD sind noch zwei weitere Kompositionen für Orchester zu finden: „ La Follia di Spagna“ komponiert von Josef von Eybler (1765 – 1846) und vom Beethoven selbst ein Gratulations-Menuett aus dem Jahr 1822.

Für uns, denen solche Persönlichkeiten – Beethoven natürlich ausgenommen – höchstens als Namen, mit spärlichen Klangvorstellungen unterfüttert, bekannt sind, gleichen sie sich ziemlich untereinander. Studiert man aber ihre Lebenswege, sieht man doch, wie unterschiedlich ihre Biografien waren. Für diejenigen, die etwas Zeit haben, wäre etwa das Leben des J. L. Dussek ein Tipp für Nachforschungen: Ein wahrer Lebemann! Im Vergleich dazu sind die Eckdaten eines Carl Czerny, dessen Bedeutung für die Kultur des Klavierspiels unvergleichlich grösser war, ja geradezu eine Pionier-Funktion hatte, eher recht „grau“ und uninteressant. Nach außen geradezu ein „Biedermann“…

Hans Gött

Hans Gött

Zur zweiten Gruppe gehört die Beschäftigung mit dem Münchner Maler Hans Gött (1883 – 1974). Es ist eine ziemlich kuriose Geschichte – und der Raum hier ist vielleicht nicht der richtige, um alles zu erzählen -, aber in den letzten Jahren „landete“ der umfangreiche Nachlass dieses produktiven Malers, der, wie Andreas recht spät erfahren hat, sein Großvater war, im Haushalt des Duos. Es handelt sich dabei um Ölgemälde, Aquarelle, Radierungen, Drucke, Bleistiftszeichnungen, Buchillustrationen etc.

Diejenige Werke, die auffällige Schädigungen aufwiesen, hat das Duo restaurieren lassen und auch etliche Bilder neu rahmen lassen. Gegenwärtige Hauptbeschäftigung ist, die Arbeiten zu fotografieren und zu katalogisieren. Eine professionelle wissenschaftliche Aufarbeitung des gesamten Œuvres wäre das Fernziel.

Hans Gött war in der Vorkriegszeit ein anerkannter Maler, und seine Werke haben in bedeutenden Museen wie die Lenbach Galerie, die Pinakothek der Moderne oder die Staatliche Graphische Sammlung Aufnahme gefunden.

Da Gött aus Überzeugung nur gegenständlich gemalt hat, war sein Werk kommerziell für die Nachkriegszeit nicht mehr „relevant“ und er wurde seitdem weniger ausgestellt. Ausnahme bildeten u.a. Ausstellungen, die denjenigen Malern gewidmet waren, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der Akademie Matisse in Paris studierten. Dazu zählte Hans Gött, dessen Werk unverkennbar französische Einflüsse birgt, allerdings auch eine ganz eigene Sprache zum Ausdruck bringt. Man könnte sagen, dass ein besonderes Charakteristicum der Werke Götts deren innere Ruhe ist, das Wegbleiben jeglichen Wunsches, dem Betrachter zu imponieren, eine Geschichte zu erzählen, geschweige denn eine politische-gesellschaftliche Aussage zu formulieren. Es geht ihm um die schiere, zwecklos abbildende Wiedergabe sei es der Natur (Landschaft) oder des Menschen (Akt, Portrait).

Hier findet sich eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Oeuvre von Hans Gött.

www.hans-goett.de

„Zwischen Moderne und Zeitgeschichte: Der Maler und Zeichner Hans Gött (1883-1974)“

Am 11.11.2018 hat Dr. Dirk Heißerer ein Referat über den Maler Hans Gött im Olaf Gulbransson Museum im Tegernsee gehalten. Dabei sind diese schöne Fotos vom Andreas und dem Redner entstanden.

Fotos: Gustav Eckart

Orlandus Lassus Stiftung

Orlandus Lassus Stiftung

Ein wohltätiges Engagement, das in erster Linie Yaara in Anspruch nimmt, ist die Arbeit im Kuratorium der Orlandus Lassus Stiftung. Diese Stiftung, die satzungsgemäß dem Rotary Club München-International gehört, unterstützt begabte und gleichzeitig bedürftige Studenten der Hochschule für Musik und Theater in München. Es werden jährlich zwei Stipendien à € 6,000 nebst punktuellen Sachleistungen vergeben. Wie so oft bei rotarischen Projekten werden langjährige, nahe menschliche Beziehungen zu den (Ex-) Stipendiaten gepflegt und sie auch weiterhin unterstützt (in rechtlichen oder anderen Belangen).

Andreas und Yaara, die selber früher Studenten an der Münchner Musikhochschule waren, treten regelmäßig in Benefizkonzerten der Stiftung auf. So z.B. im März 2008 im Großen Saal der Hochschule (Fotos)